Vater unser

Lesedauer 3 Minuten

1

Vater unser, mal anders…

Beter: „Vater unser im Himmel…“

Gott:
„Ja?“

Beter:
„Unterbrich mich nicht! Ich bete!“

Gott:
„Aber du hast mich doch angesprochen!“

Beter:
„Ich dich angesprochen? Ah… nein eigentlich nicht. Das beten wir eben so Vater Unser im Himmel!“



Gott:
„Da, schon wieder! Du rufst mich ja an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht`s?“

Beter:
„Geheiligt werde dein Name…“

Gott:
„Meinst du das ernst?“

Beter:
„Was soll ich ernst meinen?“

Gott:
„Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst? Was bedeutet denn das?“

Beter:
„Es bedeutet…, es bedeutet…, meine Güte ich weiß nicht was es bedeutet. Woher soll ich denn das wissen.“

Gott:
„Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.“

Beter:
„Aha, hm, das verstehe ich. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden…“

Gott:
„Tust du das wirklich?“

Beter:
„Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Kirchensteuer und Missionsopfer.”

Gott:
„Ich will mehr, dass dein Leben in Ordnung kommt, dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden, dass du von anderen her und für andere denken lernst, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden. Denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du dann für mich.“

Beter:
„Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viel stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen? Schau die doch mal an!“

Gott:
„Kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.“

Beter:
„Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiter beten? Unser tägliches Brot gib uns heute…“

Gott:
„Du hast Übergewicht, man! Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.“

Beter:
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“

Gott:
„Und dein Arbeitskollege?“

Beter:
„Jetzt fang auch noch davon an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert, dass er mir jedes Mal arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin bevor er eine herablassende Bemerkung äußert. Das weiß er auch! Er nimmt mich als Mit- arbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf herum, dieser Typ hat…“

Gott:
„Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?“

Beter:
„Ich meine es nicht so!“

Gott:
„Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?“

Beter:
„Es macht mich ganz krank.“

Gott:
„Ich will dich heilen. Vergib ihm doch, und ich vergebe dir. Vielleicht vergebe ich dir auch schon vorher. Dann sind Arroganz und Hass seine Sünde und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld, ganz sicher verlierst du ein Stück Image. Aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.“

Beter:
„Hm, ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.“

Gott:
„Ich helfe dir dabei!“

Beter:
„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen…“

Gott:
„Nichts lieber als das. Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst!“

Beter:
„Wie meinst du das?”

Gott:
„Du kennst doch deine schwachen Punkte Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib der Versuchung keine Chance.“

Beter:
„Ich glaube, dies ist das schwierigste Vater Unser, das ich je betete. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem täglichen Leben zu tun.“

Gott:
„Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.“

Beter:
„Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Gott:
„Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das zu tun, was mein Wille ist. Wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich Selbst glücklich macht.“
Verfasser unbekannt
Das regt doch wirklich mal zum nachdenken an. Betest Du auch ab und an das Vater Unser? Was bedeutet es Dir?

 

2 Antworten auf „Vater unser“

  1. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass wir das „Vater Unser“ immer viel zu schnell beten. Wie sollen die Gedanken da hinterherkommen? Man sollte eine Zeile sprechen und dann eine Pause lassen… Die Idee fand ich gut und das wollen wir in einem Gottesdienst mal ausprobieren. Denn nichtsdestotrotz ist es ja das Gebet, das uns der Herr gelehrt hat und ich finde es immer wieder besonders kraftvoll und stark. Mein Sohn hat dieses Gebete einmal auf ein großes Blatt Papier geschrieben als er gerade schreiben konnte, mit vielen Fehlern… Das fand ich so schön und es hängt heute noch bei uns über dem Esstisch 😉 Liebe Grüße, Martha

Kommentar verfassen